für 6 Instrumente und ePlayer-Orchester (2014).

Mit Einspielungen von Texten nach Swetlana Alexijevitsch (Sprecherin: Natalia Burnos).Partitur

Video 

Aufnahme 

Kommentar 

Sinaida Kowalenka ist eine alte weißrussische Bäuerin, die als letzte in ihrem Dorf in der verbotenen Zone um Tschernobyl lebt. Alle anderen Bewohner wurden schon vor langer Zeit evakuiert. Sie lebt einsam inmitten einer scheinbar wunderbar unberührten und urwüchsigen, tatsächlich aber radioaktiven Natur.

Das ePlayer-Orchester basiert auf einer großen Datenbank der Klänge des zeitgenössischen Orchesters und wurde von mir zwischen 2007 und 2012 aufgebaut. Es erlaubt unter anderem das Abspielen von Orchesterpartituren der Neuen Musik. Musikalisch gesehen hat das ePlayer-Orchester in diesem Werk die Funktion, die Klangfarbenmischungen der 6 realen Instrumente zu ergänzen bzw. zu vervollständigen oder im Wettstreit mit ihnen zu stehen.

Allgemeiner jedoch steht die Benutzung eines künstlichen zeitgenössischen Orchesters in Bezug zur aktuellen kulturpolitischen Diskussion um das Verschwinden der (realen) Orchester, andererseits zur Tendenzen in der instrumentalen Neuen Musik, deren Komponisten gegenläufig eine immer stärkere Spezialisierung und Flexibilisierung vom zeitgenössischen Orchester verlangen.
Und schließlich entspricht die Künstlichkeit des ePlayer-Orchesters und sein Wunsch, natürlich zu wirken, der radioaktiven Natur und ihrer zwei Seiten in den Erzählungen von Alexijevic.

Das Werk ist Harry Lehmann gewidmet.

Thomas Hummel, April 2014

Dauer 

27 Min.

Besetzung 

Flöte
Klarinette
Trompete
Klavier
Violine
Violoncello
Elektronik: Mac- oder Windows-Computer mit Max/msp-Patch (freeware), 2 oder mehr Lautsprecher

Texte 

"Sieben Jahre lebe ich hier alleine, sieben Jahre ist es her, seit alle weggegangen sind.....Nachts sitze ich manchmal wach, bis es hell wird, und grüble und grüble. Auch heute habe ich die ganze Nacht im Bett gehockt , dann bin ich rausgegangen, um zu sehen, wie die Sonne aufgeht. Was soll ich Ihnen sagen? Die gerechteste Sache auf der Welt ist der Tod. Davon hat sich noch keiner freikaufen können. Die Erde nimmt alle auf: die Guten und die Bösen und die Sünder. Aber mehr Gerechtigkeit gibt es nicht auf Erden. Ich habe mein Leben lang schwer und ehrlich gearbeitet. Ich habe nach meinem Gewissen gelebt. Aber Gerechtigkeit ist mir nicht widerfahren. Gott hat sie wohl schon aufgeteilt, bevor ich an der Reihe war, und für mich blieb nichts mehr übrig."

"Wir dachten, das ist eine Krankheit, und wer sie kriegt, stirbt gleich. Nein, sagten sie, das ist etwas, was auf der Erde liegt und in die Erde kriecht, das kann man nicht sehen. Das Tier kann es sehen und hören, aber der Mensch nicht. Aber das ist nicht wahr. Ich habe sie gesehen. Das Caesium hat bei mir im Garten gelegen, bis der Regen es weggeschwemmt hat."


Семь лет живу одна, семь лет, как люди уехали...
Ночью, бывает, сижу, пока не высветлит, и думаю, думаю. И сегодня всю ночь
на кровати крючком сидела, а потом вышла поглядеть, какое солнышко. Что я
вам скажу? Самая справедливая вещь на свете смерть. Никто еще не откупился.
Земля всех принимает: и добрых, и злых, и грешников. А больше справедливости
на этом свете нет. Я тяжко и честно всю жизнь трудилась. По совести жила. А
мне справедливость не выпадала. Бог где-то делил, пока до меня очередь дошла
-- у него уже ничего не осталось, чтобы мне дать.

так мы думали: это болезнь какая-то, кто заболеет -- сразу помирает. Нет, говорят, что-то такое, что на
земле лежит и в землю лезет, а увидеть нельзя. Зверь, может, видит и слышит, а человек нет. А это неправда! Я видела... Этот цезий у меня на огороде
валялся, пока дождь его не намочил.

(aus Svetlana Alexijevic "Tschernobyl - Eine Chronik der Zukunft")

für 6 Instrumente und ePlayer-Orchester (2014). Mit Einspielungen von Texten nach Swetlana Alexijevitsch (Sprecherin: Natalia Burnos). Partitur Video   Aufnahme... mehr erfahren »
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für 6 Instrumente und ePlayer-Orchester (2014).

Mit Einspielungen von Texten nach Swetlana Alexijevitsch (Sprecherin: Natalia Burnos).Partitur

Video 

Aufnahme 

Kommentar 

Sinaida Kowalenka ist eine alte weißrussische Bäuerin, die als letzte in ihrem Dorf in der verbotenen Zone um Tschernobyl lebt. Alle anderen Bewohner wurden schon vor langer Zeit evakuiert. Sie lebt einsam inmitten einer scheinbar wunderbar unberührten und urwüchsigen, tatsächlich aber radioaktiven Natur.

Das ePlayer-Orchester basiert auf einer großen Datenbank der Klänge des zeitgenössischen Orchesters und wurde von mir zwischen 2007 und 2012 aufgebaut. Es erlaubt unter anderem das Abspielen von Orchesterpartituren der Neuen Musik. Musikalisch gesehen hat das ePlayer-Orchester in diesem Werk die Funktion, die Klangfarbenmischungen der 6 realen Instrumente zu ergänzen bzw. zu vervollständigen oder im Wettstreit mit ihnen zu stehen.

Allgemeiner jedoch steht die Benutzung eines künstlichen zeitgenössischen Orchesters in Bezug zur aktuellen kulturpolitischen Diskussion um das Verschwinden der (realen) Orchester, andererseits zur Tendenzen in der instrumentalen Neuen Musik, deren Komponisten gegenläufig eine immer stärkere Spezialisierung und Flexibilisierung vom zeitgenössischen Orchester verlangen.
Und schließlich entspricht die Künstlichkeit des ePlayer-Orchesters und sein Wunsch, natürlich zu wirken, der radioaktiven Natur und ihrer zwei Seiten in den Erzählungen von Alexijevic.

Das Werk ist Harry Lehmann gewidmet.

Thomas Hummel, April 2014

Dauer 

27 Min.

Besetzung 

Flöte
Klarinette
Trompete
Klavier
Violine
Violoncello
Elektronik: Mac- oder Windows-Computer mit Max/msp-Patch (freeware), 2 oder mehr Lautsprecher

Texte 

"Sieben Jahre lebe ich hier alleine, sieben Jahre ist es her, seit alle weggegangen sind.....Nachts sitze ich manchmal wach, bis es hell wird, und grüble und grüble. Auch heute habe ich die ganze Nacht im Bett gehockt , dann bin ich rausgegangen, um zu sehen, wie die Sonne aufgeht. Was soll ich Ihnen sagen? Die gerechteste Sache auf der Welt ist der Tod. Davon hat sich noch keiner freikaufen können. Die Erde nimmt alle auf: die Guten und die Bösen und die Sünder. Aber mehr Gerechtigkeit gibt es nicht auf Erden. Ich habe mein Leben lang schwer und ehrlich gearbeitet. Ich habe nach meinem Gewissen gelebt. Aber Gerechtigkeit ist mir nicht widerfahren. Gott hat sie wohl schon aufgeteilt, bevor ich an der Reihe war, und für mich blieb nichts mehr übrig."

"Wir dachten, das ist eine Krankheit, und wer sie kriegt, stirbt gleich. Nein, sagten sie, das ist etwas, was auf der Erde liegt und in die Erde kriecht, das kann man nicht sehen. Das Tier kann es sehen und hören, aber der Mensch nicht. Aber das ist nicht wahr. Ich habe sie gesehen. Das Caesium hat bei mir im Garten gelegen, bis der Regen es weggeschwemmt hat."


Семь лет живу одна, семь лет, как люди уехали...
Ночью, бывает, сижу, пока не высветлит, и думаю, думаю. И сегодня всю ночь
на кровати крючком сидела, а потом вышла поглядеть, какое солнышко. Что я
вам скажу? Самая справедливая вещь на свете смерть. Никто еще не откупился.
Земля всех принимает: и добрых, и злых, и грешников. А больше справедливости
на этом свете нет. Я тяжко и честно всю жизнь трудилась. По совести жила. А
мне справедливость не выпадала. Бог где-то делил, пока до меня очередь дошла
-- у него уже ничего не осталось, чтобы мне дать.

так мы думали: это болезнь какая-то, кто заболеет -- сразу помирает. Нет, говорят, что-то такое, что на
земле лежит и в землю лезет, а увидеть нельзя. Зверь, может, видит и слышит, а человек нет. А это неправда! Я видела... Этот цезий у меня на огороде
валялся, пока дождь его не намочил.

(aus Svetlana Alexijevic "Tschernobyl - Eine Chronik der Zukunft")

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