für für Ensemble und Live-Elektronik (1994)

UA IRCAM Paris 5/1995 (ensemble itineraire)Partitur

Aufnahme 

Kommentar 

Im Deutschen sagt man, daß sich zwei Farben "beißen", wenn sie ähnlich, aber doch nicht gleich sind und daher nicht zueinander passen. Rot und Rosa! Wann sind zwei Farben gleich, wann identisch und wann kontrastierend? Wenn zwei Farben kontrastieren, passen sie zueinander, aber passen sie auch noch zueinander, wenn eine dritte Farbe dazutritt? Es ist eine schwierige und doch wundervolle Wissenschaft, sich darüber klar zu werden, wie Farben wirken, und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Die akustische Wissenschaft hilft uns, zu verstehen, was eine Klangfarbe ist. Sie erklärt uns, daß Klangfarbe sich auch sehr stark durch die Zeit, während derer sie existiert, definiert, was für mich ein sehr wesentlicher Punkt ist. Aber daß zwei Farben nicht zueinander passen, kontrastieren oder einen Widerspruch heraufbeschwören, hat mit der allgemeineren Theorie der Ästhetik etwas zu tun, die unabhängig vom Typ des Sinneseindrucks argumentiert.Visuelle Entsprechungen spielten für mich in dieser Komposition eine große Rolle. Aber obwohl die Farbe für mich in dieser Komposition im Vordergrund steht ("Klangfarbe" allerdings in einem allgemeineren Sinn, der auch Rhythmus und Raum miteinbezieht), so ging es in den kompositorischen Vorbereitungen nicht um visuelle Farbstudien, sondern um Graphik. Computergraphiken in Schwarzweiß, mit scharfen und klaren Kanten, regelmäßigen und berechneten Zahlenproportionen.
Hier liegt ein Widerspruch. Klangfarbe ist nie genau wahrnehmbar, bleibt immer etwas undeutlich. Ich glaube aber, es braucht gerade deshalb einen klaren Zugang, um der Klangfarbe ihre eigene Schwammigkeit zu nehmen.Es gibt eine Partie zu Anfang des zweiten Satzes, in der die möglichen Kangfarben des Stückes wie in einer Art Stichwortregister musikalisch aufgelistet werden. Die Auflistung ist allerdings nicht alphabetisch, weil sonst sehr häufig "rot" neben "rosa" zu stehen gekommen wäre. Stattdessen kontrastieren stets drei aufeinanderfolgende Figuren. Eine Computeralgorithmus bestimmt den Kontrast, die Distanz. Das Stichwortregister ist das Herz des Stückes, die darin exponierten Klangfarben bzw. Texturen bestimmen das ganze Werk. Am Ende des ersten Satzes findet sich dagegen ein Wanderlied.Der elektronische Part dieses Stückes basiert ausschließlich auf Live-Elektronik, d.h. auf der Transformation des Instrumentalklangs. Die Live-Elektronik nimmt über große Strecken hinweg eine Art autoanalytischer Funktion ein. Ich rufe meine Erinnerung zurück und vollziehe die Struktur noch einmal nach. Oft verstehe ich es jetzt anders als zuvor. Die neu hinzutretende Live-Elektronik legt die Zusammenhänge und die Schichten offen, die im instrumentalen Text liegen. Ich habe die Musik farbig markiert, wie ein Musikwissenschaftler, der die Struktur eines Stückes verdeutlichen will. Oft wird eine Figur, die ursprünglich zersplittert wird und über viele Instrumente verteilt wird, von der Live-Elektronik wieder eingesammelt. Manchmal macht sich die Elektronik aber auch selbständig und musiziert ein wenig für sich selber. Für das Wesen der Live-Elektronik ist dies eigentlich fremd, da sie ohne den Klang der Instrumente, den sie transformiert, nicht existieren kann.

Dauer 

25 min

Besetzung 

Flöte,
Klarinette in B,
Kontrafagott,
Tenorposaune,
Akkordeon,
Gitarre,
Viola,
Violoncello,
2 Schlagzeuger (1. Vibraphon, Crotales, kleine Trommel,
2. Marimbaphon, Tamtam, Pauke),
Keyboard-Spieler (nur informatisch)

Material 
10 Mikrofone
4 Lautsprecher
1 Next/ISPW-Station (evtl. auch Macintosh/MAX/msp)
Yamaha-DMC1000 Mischpult oder vergleichbar
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für für Ensemble und Live-Elektronik (1994)

UA IRCAM Paris 5/1995 (ensemble itineraire)Partitur

Aufnahme 

Kommentar 

Im Deutschen sagt man, daß sich zwei Farben "beißen", wenn sie ähnlich, aber doch nicht gleich sind und daher nicht zueinander passen. Rot und Rosa! Wann sind zwei Farben gleich, wann identisch und wann kontrastierend? Wenn zwei Farben kontrastieren, passen sie zueinander, aber passen sie auch noch zueinander, wenn eine dritte Farbe dazutritt? Es ist eine schwierige und doch wundervolle Wissenschaft, sich darüber klar zu werden, wie Farben wirken, und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Die akustische Wissenschaft hilft uns, zu verstehen, was eine Klangfarbe ist. Sie erklärt uns, daß Klangfarbe sich auch sehr stark durch die Zeit, während derer sie existiert, definiert, was für mich ein sehr wesentlicher Punkt ist. Aber daß zwei Farben nicht zueinander passen, kontrastieren oder einen Widerspruch heraufbeschwören, hat mit der allgemeineren Theorie der Ästhetik etwas zu tun, die unabhängig vom Typ des Sinneseindrucks argumentiert.Visuelle Entsprechungen spielten für mich in dieser Komposition eine große Rolle. Aber obwohl die Farbe für mich in dieser Komposition im Vordergrund steht ("Klangfarbe" allerdings in einem allgemeineren Sinn, der auch Rhythmus und Raum miteinbezieht), so ging es in den kompositorischen Vorbereitungen nicht um visuelle Farbstudien, sondern um Graphik. Computergraphiken in Schwarzweiß, mit scharfen und klaren Kanten, regelmäßigen und berechneten Zahlenproportionen.
Hier liegt ein Widerspruch. Klangfarbe ist nie genau wahrnehmbar, bleibt immer etwas undeutlich. Ich glaube aber, es braucht gerade deshalb einen klaren Zugang, um der Klangfarbe ihre eigene Schwammigkeit zu nehmen.Es gibt eine Partie zu Anfang des zweiten Satzes, in der die möglichen Kangfarben des Stückes wie in einer Art Stichwortregister musikalisch aufgelistet werden. Die Auflistung ist allerdings nicht alphabetisch, weil sonst sehr häufig "rot" neben "rosa" zu stehen gekommen wäre. Stattdessen kontrastieren stets drei aufeinanderfolgende Figuren. Eine Computeralgorithmus bestimmt den Kontrast, die Distanz. Das Stichwortregister ist das Herz des Stückes, die darin exponierten Klangfarben bzw. Texturen bestimmen das ganze Werk. Am Ende des ersten Satzes findet sich dagegen ein Wanderlied.Der elektronische Part dieses Stückes basiert ausschließlich auf Live-Elektronik, d.h. auf der Transformation des Instrumentalklangs. Die Live-Elektronik nimmt über große Strecken hinweg eine Art autoanalytischer Funktion ein. Ich rufe meine Erinnerung zurück und vollziehe die Struktur noch einmal nach. Oft verstehe ich es jetzt anders als zuvor. Die neu hinzutretende Live-Elektronik legt die Zusammenhänge und die Schichten offen, die im instrumentalen Text liegen. Ich habe die Musik farbig markiert, wie ein Musikwissenschaftler, der die Struktur eines Stückes verdeutlichen will. Oft wird eine Figur, die ursprünglich zersplittert wird und über viele Instrumente verteilt wird, von der Live-Elektronik wieder eingesammelt. Manchmal macht sich die Elektronik aber auch selbständig und musiziert ein wenig für sich selber. Für das Wesen der Live-Elektronik ist dies eigentlich fremd, da sie ohne den Klang der Instrumente, den sie transformiert, nicht existieren kann.

Dauer 

25 min

Besetzung 

Flöte,
Klarinette in B,
Kontrafagott,
Tenorposaune,
Akkordeon,
Gitarre,
Viola,
Violoncello,
2 Schlagzeuger (1. Vibraphon, Crotales, kleine Trommel,
2. Marimbaphon, Tamtam, Pauke),
Keyboard-Spieler (nur informatisch)

Material 
10 Mikrofone
4 Lautsprecher
1 Next/ISPW-Station (evtl. auch Macintosh/MAX/msp)
Yamaha-DMC1000 Mischpult oder vergleichbar
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