für Streichquartett und Live-Elektronik (1993)

UA Paris 1993 (Ensemble court-ciruit, IRCAM)Partitur

Aufnahme 

Kommentar 

Luca Francesconi erklärte mir einmal, daß er seinen Schülern verbiete, ein Tonbandstück mit einem langsamen crescendo aus dem Nichts zu beginnen. Dieses Zitat stammte aus einer Diskussion über Kompositionsmodelle und darüber, wie bestimmte kompositorische Strategien zum Klischee werden. Es geht sicherlich nicht um Ge- und Verbote solcher Art, aber es ist doch richtig, daß Musikgenres auch ihre eigenen Klischees mit sich herumschleppen.
Auch in der Live-Elektronik, genauer der Live-Klangtransformation, gibt es tradierte Strategien. Der Instrumentalklang wird exponiert und nach und nach durch die Live-Elektronik erweitert, dh. verdichtet (zum Beispiel durch Verzögerung und Selbstüberlagerung) bzw. mikroskopiert. Es entstehen komplexe, oft gewollt unvorhersehbare Situationen. Der Musiker reagiert auf den entstehenden Klang. Diese Verfahren kann jedoch auch in ein Klischee umschlagen, das der Klangmultiplikation.
In cocoon besitzt die Live-Elektronik keine Rolle der Erweiterung und Verdichtung des Instrumentalklangs. Es gibt vielmehr ein Prinzip der systematischen strukturellen Einbeziehung von Transformationen in die Entwicklung des Materials. Das Material besteht aus sehr einfachen musikalischen Elementen (Einzeltöne, Akkorde, geräuschhafte Aktionen, pulsierende Ereignisse), die mit einer bestimmten Art von Transformation verbunden sind, so wie eine Artikulation zu einem erklingenden Ton gehört. Durch die niedrige Dynamik des Streichquartetts werden die Elemente überwiegend durch die Live-Elektronik vermittelt. Diese Elemente treten durch den musikalischen Diskurs in Beziehung, und die Art der Beziehung (zB. gleich/unterschiedlich) wird durch die Live-Elektronik verdeutlicht, gewissermaßen analytisch orchestriert. Das hat zur Folge, daß manchmal jeder Einzelton durch eine unterschiedliche live-elektronische Schaltung transformiert wird. Darüberhinaus gibt es Phasen, in denen mehrere verschiedene Transformationen denselben Ton unterschiedlich artikulieren und eine Art Polyphonie zum Instrumentalspiel erzeugen.

Dauer 

11 min

Besetzung 

2 Violinen, Viola, Violoncello
Live-Elektronik, 4-6 Lautsprecher
Macintosh, MAX/msp-Software

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für Streichquartett und Live-Elektronik (1993)

UA Paris 1993 (Ensemble court-ciruit, IRCAM)Partitur

Aufnahme 

Kommentar 

Luca Francesconi erklärte mir einmal, daß er seinen Schülern verbiete, ein Tonbandstück mit einem langsamen crescendo aus dem Nichts zu beginnen. Dieses Zitat stammte aus einer Diskussion über Kompositionsmodelle und darüber, wie bestimmte kompositorische Strategien zum Klischee werden. Es geht sicherlich nicht um Ge- und Verbote solcher Art, aber es ist doch richtig, daß Musikgenres auch ihre eigenen Klischees mit sich herumschleppen.
Auch in der Live-Elektronik, genauer der Live-Klangtransformation, gibt es tradierte Strategien. Der Instrumentalklang wird exponiert und nach und nach durch die Live-Elektronik erweitert, dh. verdichtet (zum Beispiel durch Verzögerung und Selbstüberlagerung) bzw. mikroskopiert. Es entstehen komplexe, oft gewollt unvorhersehbare Situationen. Der Musiker reagiert auf den entstehenden Klang. Diese Verfahren kann jedoch auch in ein Klischee umschlagen, das der Klangmultiplikation.
In cocoon besitzt die Live-Elektronik keine Rolle der Erweiterung und Verdichtung des Instrumentalklangs. Es gibt vielmehr ein Prinzip der systematischen strukturellen Einbeziehung von Transformationen in die Entwicklung des Materials. Das Material besteht aus sehr einfachen musikalischen Elementen (Einzeltöne, Akkorde, geräuschhafte Aktionen, pulsierende Ereignisse), die mit einer bestimmten Art von Transformation verbunden sind, so wie eine Artikulation zu einem erklingenden Ton gehört. Durch die niedrige Dynamik des Streichquartetts werden die Elemente überwiegend durch die Live-Elektronik vermittelt. Diese Elemente treten durch den musikalischen Diskurs in Beziehung, und die Art der Beziehung (zB. gleich/unterschiedlich) wird durch die Live-Elektronik verdeutlicht, gewissermaßen analytisch orchestriert. Das hat zur Folge, daß manchmal jeder Einzelton durch eine unterschiedliche live-elektronische Schaltung transformiert wird. Darüberhinaus gibt es Phasen, in denen mehrere verschiedene Transformationen denselben Ton unterschiedlich artikulieren und eine Art Polyphonie zum Instrumentalspiel erzeugen.

Dauer 

11 min

Besetzung 

2 Violinen, Viola, Violoncello
Live-Elektronik, 4-6 Lautsprecher
Macintosh, MAX/msp-Software

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