für Stimme(n), drei reale und drei virtuelle Ensembles (2017)
Nach Texten von Pawel Adelgeim

Partitur

Kommentar 

Pawel Adelgeim, russischer Priester und Dichter. Er lebte in Pskov und wurde 2013 ermordet. In der Sowjetzeit trat er als als Dissident und Vorkämpfer der Religionsfreiheit hervor. In der Nachwendezeit war er Kritiker des neuen Verhältnisses von Staat und Kirche.

Das Orchester besteht aus 6 Gruppen. II, III and V bestehen aus realen Musikern, während I, IV und VI aus Sample-Orchestern bestehen, die von einem Computer über Lautsprecher gespielt werden. „Musiker“ dieser Sample-Orchester können jedes Instrument und jeden Klang gleichzeitig spielen. Sie werden nichtsdestotrotz in einer normalen Partitur notiert.

Dauer 
22 min
Instrumentation 

Mezzosopran (Sopran, Alt ad lib.)
1 Oboe
2 Klarinetten
1 Fagott
1 Horn
1 Trompete in C
1 Posaune
1 Klavier
1 Harfe
1 Akkordeon
2 Schlagzeug
2 Violinen
1 Viola
1 Violoncello
1 Kontrabass

Elektronik

Text 

Meine Perspektiven

Es ist Zeit, dass wir uns
daran erinnern, wie Du in der Abenddämmerung unverlangt
zu mir herein kamst, vom Herrenhaus,
den Hausmantel leicht über die Schultern geworfen.

Und alles, was unrealistisch war, wurde in diesem Augenblick unfassbar nahe:
Die Blumen auf der gestärkten Tischdecke,
Tee und heisse Würstchen,

Anheimelndes Licht und Kinderlärm,
und diese zärtlichen Hände -
Der Verstand kann es nicht glauben
Der Erscheinung und den Klängen zu glauben.

Aber was weiter? Wohin gehen?
Wo das Brot für die Kinder verdienen?
In die Sackgasse führen alle Wege
Unter der Gleichgültigkeit des grauen Himmels.

Als ungeladener Gast trete ich vor den Bischof
und trete in den mir so bekannten Empfangsraum
„Kirchendienst? Ich habe nicht die Kraft, Sie anzunehmen.
Verurteilter, Konterrevolutionär … o je!! Nein.“

„Wir sind natürlich froh, Ihnen zu helfen,
aber“, - antwortet der Stadtrat, -
„für den Menschen Ihrer Weltanschauung
gibt es keine intelligenten Beschäftigungen“.

Mit schwerer Arbeit könnte ich mich
vorübergehend ernähren -
Die Beine sind im Gefängnis geblieben.
Wozu ist ein Invalide nütze?

Es ist klar, dass die Bischöfe ausgebucht sind.
Mein Schicksal ist ihnen wurst.
Schuldig? Hatte er Recht? - Weg mit ihm.
Und dort… lass ihn leben, wie er kann.

Und das Geschwätz wird zu einem unsichtbaren Faden,
der sich als Schlinge um meinen Hals flechtet:
„Krüppel, Konterrevolutionär, Pope, Verurteilter….
Und bis jetzt ist er noch hier?

Für so jemanden gibt es keinen Platz auf der Erde
lasst ihn in der Schlinge ersticken“.
Hier nehme ich nicht die Last auf mich, zu verhandeln,
und ich schweige. Schweige.

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für Stimme(n), drei reale und drei virtuelle Ensembles (2017)
Nach Texten von Pawel Adelgeim

Partitur

Kommentar 

Pawel Adelgeim, russischer Priester und Dichter. Er lebte in Pskov und wurde 2013 ermordet. In der Sowjetzeit trat er als als Dissident und Vorkämpfer der Religionsfreiheit hervor. In der Nachwendezeit war er Kritiker des neuen Verhältnisses von Staat und Kirche.

Das Orchester besteht aus 6 Gruppen. II, III and V bestehen aus realen Musikern, während I, IV und VI aus Sample-Orchestern bestehen, die von einem Computer über Lautsprecher gespielt werden. „Musiker“ dieser Sample-Orchester können jedes Instrument und jeden Klang gleichzeitig spielen. Sie werden nichtsdestotrotz in einer normalen Partitur notiert.

Dauer 
22 min
Instrumentation 

Mezzosopran (Sopran, Alt ad lib.)
1 Oboe
2 Klarinetten
1 Fagott
1 Horn
1 Trompete in C
1 Posaune
1 Klavier
1 Harfe
1 Akkordeon
2 Schlagzeug
2 Violinen
1 Viola
1 Violoncello
1 Kontrabass

Elektronik

Text 

Meine Perspektiven

Es ist Zeit, dass wir uns
daran erinnern, wie Du in der Abenddämmerung unverlangt
zu mir herein kamst, vom Herrenhaus,
den Hausmantel leicht über die Schultern geworfen.

Und alles, was unrealistisch war, wurde in diesem Augenblick unfassbar nahe:
Die Blumen auf der gestärkten Tischdecke,
Tee und heisse Würstchen,

Anheimelndes Licht und Kinderlärm,
und diese zärtlichen Hände -
Der Verstand kann es nicht glauben
Der Erscheinung und den Klängen zu glauben.

Aber was weiter? Wohin gehen?
Wo das Brot für die Kinder verdienen?
In die Sackgasse führen alle Wege
Unter der Gleichgültigkeit des grauen Himmels.

Als ungeladener Gast trete ich vor den Bischof
und trete in den mir so bekannten Empfangsraum
„Kirchendienst? Ich habe nicht die Kraft, Sie anzunehmen.
Verurteilter, Konterrevolutionär … o je!! Nein.“

„Wir sind natürlich froh, Ihnen zu helfen,
aber“, - antwortet der Stadtrat, -
„für den Menschen Ihrer Weltanschauung
gibt es keine intelligenten Beschäftigungen“.

Mit schwerer Arbeit könnte ich mich
vorübergehend ernähren -
Die Beine sind im Gefängnis geblieben.
Wozu ist ein Invalide nütze?

Es ist klar, dass die Bischöfe ausgebucht sind.
Mein Schicksal ist ihnen wurst.
Schuldig? Hatte er Recht? - Weg mit ihm.
Und dort… lass ihn leben, wie er kann.

Und das Geschwätz wird zu einem unsichtbaren Faden,
der sich als Schlinge um meinen Hals flechtet:
„Krüppel, Konterrevolutionär, Pope, Verurteilter….
Und bis jetzt ist er noch hier?

Für so jemanden gibt es keinen Platz auf der Erde
lasst ihn in der Schlinge ersticken“.
Hier nehme ich nicht die Last auf mich, zu verhandeln,
und ich schweige. Schweige.

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